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Der Autor über sein Buch:
Im Rahmen eines Interdisziplinären Gesprächs der Stiftung für Jung'sche Psychologie hat die Orientalistin Frau Prof. Renate Jacobi ein ausgezeichnetes Referat über die ambivalente Gotteserfahrung des islamischen Mystikers al-Hallag gehalten, der 922 in Bagdad hingerichtet worden ist. Für ihn war die Vereinigung mit Gott, die unio mystica, höchste Vollendung und gleichzeitig Vernichtung des eigenen Seins. So erstrebte er den Tod als Erfüllung seiner Liebessehnsucht nach Gott. Dabei war er sich der furchtbaren Seite Gottes in höchstem Masse bewusst, und dennoch überspielte er - wie es uns scheint - diese Seite in einer für uns kaum nachfühlbaren Weise. Anders Hiob. Er, der in seinem Elend die Dunkelheit Gottes bis zum Äussersten erfahren hatte, forderte Gerechtigkeit vom ungerechten Gott, besass aber dann die Weisheit zu schweigen: 'Ich lege die Hand auf meinen Mund. Einmal habe ich geredet, zweimal, und tue es nicht wieder..-' Hiob ist Mensch geblieben; der Mystiker al-Hallag wurde in seinem Einheitserlebnis identisch mit Gott. Obschon in schiitischer Sicht der Mensch sich Gott so weit wie möglich annähern sollte, ist hier al-Hallag wohl auch in islamischem Verständnis etwas zu weit über eine Grenze getragen worden.
Klappentext
Carl Gustav Jung hat, über Sigmund Freud hinausgehend, das kollektive Unbewusste entdeckt. Er betonte in seinen Forschungen stets die Autonomie und Wirklichkeit der 'objektiven Psyche', wie er das Unbewusste auch genannt hat. Wir wissen nicht, was die unbewusste Psyche 'an sich' ist; sie ist und bleibt ein grösstes Geheimnis des Lebens, und wir erkennen sie nur an ihren Wirkungen auf das Bewusstsein. In religiöser Sprache wäre sie der Deus absconditus, der unbekannte Gott. In diesen Beiträgen zur Psychologie von C.G. Jung kommen Autoren zu Wort und werden Arbeiten aufgenommen, die sich um die Erforschung der autonomen Psyche und ihrer Wirkung bemühen. Viele Jungsche Analytiker wissen, dass die Quelle ihrer therapeutischen Möglichkeiten in der eigenen schöpferischen Arbeit liegt. Die meisten von ihnen arbeiten zurückgezogen an dem, was aus dem Unbewussten in ihr Bewusstsein drängt. Sie versuchen, den unbewussten archetypischen Impulsen zu folgen, welche die Modeströmungen des Zeitgeistes kompensieren, und so Antwort zu geben auf die bedrückenden Probleme unserer Zeit. Sie arbeiten im besten Sinne am 'Mysterium coniumctionis', an der Vereinigung der immer gefährlicher auseinanderklaffenden Gegensätze. Naturgemäss finden diese Arbeiten weniger Zugang nach aussen. Meistens sind sie auch nicht aus einer solchen Absicht heraus entstanden und doch oft so bedeuteend, dass sie einer weiteren Öffentlichkeit zugänglich gemacht werden sollten. Diesem Ziel dient die Herausgabe von dieser Reihe. Die Reihe A enthält kürzere Beiträge oder Manuskripte zu Vorlesungen, Vorträgen, Seminarien und Kursen.
Umschlagtext
Es ist gleichgültig, was die Welt über die religiöse Erfahrung denkt; derjenige, der sie hat, besitzt den grossen Schatz einer Sache, die ihm zu einer Quelle von Leben, Sinn und Schönheit wurde, und die der Welt und der Menschheit einen neuen Glanz gegeben hat. Er hat Pistis und Frieden. Wo ist das Kriterium, welches zu sagen erlaubte, dass solch ein Leben nicht legitim, dass solch eine Erfahrung nicht gültig und solch eine Pistis blosse Illusion sei? Gibt es tatsächlich irgend eine bessere Wahrheit über letzte Dinge als diejenige, die einem hilft zu leben?
Aus Jungiana Reihe A Band 10 von Renate Jacobi, u. a., c 2001, verwendet mit der freundlichen Genehmigung von Fotorotar AG.
Das Geschenk des Knäuels von der Saligen, die im Ehebett des Bauern bleiben durfte, würde also in Kürze gesagt bedeuten: Wo eine Frau die Bezogenheit ihres Mannes auf seine Seele oder die Verliebtheit ihres Mannes nicht stört, sondern sich ihr als mindestens halbgöttliches Geschehen unterziehen kann, bringt ihr das selber Glück und Segen. Vielleicht haben einige von Ihnen die Erfahrung gemacht, dass gerade die allerschwierigsten Zeiten einer Ehe auch eine glückliche Vertiefung der gegenseitigen Beziehung gebracht haben. Wo man aber die Liebe nicht als Gotteswillen verstehen kann, wo Ichhaftigkeit, Beleidigung, Eifersucht die Oberhand gewinnen, bleiben immer nur geistig-seelische Ruinen: zerstörte Familien, Verbitterung, Resignation. Das kennen Sie wohl zur Genüge. (Seite 71)
Eines der auffallendsten Merkmale des kindlichen Spiels ist die einfallsreiche Art, mit der Kinder ihre alltägliche Realität zu einem faszinierenden Cocktail von Eindrücken mit irrationaler Bedeutung ineinander zu weben vermögen. Sei es ein Lieblingsspielzeug, eine zufällige Bemerkung oder die plötzliche Wendung einer Phantasie - die natürliche Denkweise des Kindes vermischt Alltagserlebnisse mit unbewussten Assoziationsketten, wodurch spannungsgeladene Verbindungen entstehen. Sie vereinen polare Aspekte des Seins, wie das Persönliche und das Kollektive, das Subjektive und das Objektive, zeitlose und zeitgebundene Gesichtspunkte. Beispiele solchen Verhaltens zeigen uns, dass die frühesten Erfahrungen archetypischer Symbole im praktischen Leben eine mit intesiven Emotionen verknüpfte lebendige Bilderwelt ausmachen. (Seite 119)
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