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Aurora Consurgens. Ein dem Thomas von Aquin zugeschriebenes Dokument der alchemistischen Gegensatzproblematik.

Aurora Consurgens. Ein dem Thomas von Aquin zugeschriebenes Dokument der alchemistischen Gegensatzproblematik.

Buch
Autor: M.-L. von Franz
vorrätig
1957
ISBN: 3-530-40799-2

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Die beiden ersten Bände dieses Werkes widmet C. G. Jung dem Thema der Gegensätze und ihrer Vereinigung in der Alchemie, wobei er zeigt, daß die Symbole dieser angeblich chemischen Prozeduren auch ein psychisches Geschehen widerspiegeln, welches der Seelenforscher in den unbewußten psychischen Vorgängen im modernen Menschen wieder entdeckt. Für die Erfassung der Träume, Phantasieprodukte, Wahnbildungen und Heilungsprozesse in der Neurose ist daher die Kenntnis der alchemistischen Symbolwelt von höchster Bedeutung. Der alchemistische Prozeß entspricht nämlich in überraschender Weise der Auseinandersetzung des Individuums mit den Produkten seines Unbewußten und der Integrierung seines Inhaltes.

Der dritte Band bietet die Herausgabe eines seltenen alchemistischen mittelalterlichen Textes, der eine lebendige Anschauung der von C. G. Jung beschriebenen Prozesse vermittelt und zugleich zeigt, wie die alchemistische Symboltradition zum Ausdruck mehr unbewußt geschauter als bewußt gedachter seelischer Inhalte dient. Sie bot einem Menschen, welcher das Unbewußte als Begriff nicht kannte, dessen Wirklichkeit wohl aber erlebte, eine Möglichkeit, sich mit dieser geheimnisvollen inneren Macht auseinanderzusetzen. Der Text ist weniger chemiegeschichtlich als "philosophisch" bedeutsam und zeigt, wie sich die Bilder der christlichen Mystik mit denen der Alchemie wechselseitig durchdringen. Die vom Inhalt ausgehende Analyse des Textes ergab, daß sich darin ein Einbruchserlebnis des Unbewußten abbildet, das zu einem deliriösen Zustand des Verfassers führte und der mit Zuständen verglichen werden kann, wie sie empirisch bei Menschen, die dem Tode nahe stehen, beobachtbar sind. Da die Geschichte überliefert, daß Thomas von Aquin in einem Trancezustand starb und in diesem voher noch das Hohelied deutete, und da die Aurora mit einer Hohelied-Paraphrase endet, mußte die handschriftliche Zuweisung des Textes an St. Thomas näher untersucht werden. Die nicht uninteressanten Ergebnisse wurden am Ende des Buches dargestellt. Abgesehen davon zeigt die Kommentierung des Textes, wie die Psychologie C. G. Jungs als Schlüssel dienen kann, um einen chaotisch unverständlichen Text in seinem Sinn zu erschließen. Am bedeutendsten ist wohl an diesem Text das allmähliche Hervortreten einer gottmenschlichen Anthroposgestalt, welche die Ganzwerdung der Seele und das Ziel des Individuationsprozesses symbolisiert.


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